Fichte statt Multiplex

in sehr oft gebautes Werkstück in meinen Kursen ist ein kleines Hängeschränkchen. Es wird im Kurs „Möbelkonstruktion“ gebaut, den es auch in Kombination mit dem Thema „Hand- und Tischkreissäge“ und „Oberflächenbehandlung“ gibt. Mindestens einmal im Monat werden solche kleinen Schränkchen gebaut. Bisher wurden sie aus Birke-Multiplex hergestellt. Vor einigen Wochen habe ich das Material für diese Schränkchen jedoch auf Leimholz umgestellt. Genauer gesagt auf Fichte-Leimholz.

Was war schlecht an Multiplex?

Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass Multiplex als Material nicht ideal ist. Es hat folgende Nachteile:

  • Es stumpft Werkzeuge schnell ab.
  • Es muss teuer über den Restmüll entsorgt werden.
  • Es nimmt Beize nicht gut an.
  • Man schleift schnell durch die Deckschicht durch.
  • Man bekommt kein Gefühl dafür, wie Massivholz zu verarbeiten ist.
  • Es ist schwer.
  • Es lässt sich mit Handwerkzeugen schlecht  bearbeiten.
  • Die Herkunft der Hölzer ist oft nicht unproblematisch.
  • Es enthält Schadstoffe in nicht geringer Menge.

Alle diese Nachteile hat Leimholz aus Fichte nicht. Das nun verwendete Holz stammt von der Firma Tilly in Österreich (http://tilly.at). Es ist nach PEFC zertifiziert und von sehr guter Qualität. Ein nach FSC zertifiziertes Holz wäre mir zwar lieber, lässt sich aber derzeit für mich nicht beschaffen.

 

Hängeschränkchen aus Fichte Leimholz
Hängeschränkchen aus Fichte Leimholz

Die ersten Kurse mit Leimholz statt Multiplex liefen sehr gut und zur Zufriedenheit der Teilnehmer. Die Kursvorbereitung ist für mich etwas mehr Arbeit, da ich das Material zum Teil vorschleifen und Hobeln muss, alles in allem überwiegen für mich und vor allem für die Kursteilnehmer aber die Vorteile.

Inzwischen habe ich auch einen Unterschrank für die Hobelbank aus dem Material gebaut. Ein Baubericht folgt in einer der kommenden Ausgaben der Zeitschrift HolzWerken. Das zeigt, dass das allseits beliebte Multiplex auch bei Werkstattmöbeln problemlos durch umweltfreundlichere Materialien ersetzt werden kann.

4 Antworten auf „Fichte statt Multiplex“

  1. Heiko,
    Du schriebst zu MPX: „Es lässt sich mit Handwerkzeugen bearbeiten.“
    Vermutlich war das Gegenteil gemeint?
    Gruß

  2. Hallo Heiko,
    ich habe noch das Schränkchen in MPX und habe seither auch verschiedene Sachen in MPX gemacht.
    Deine Nachteile (vor allem Entsorgung und Gewicht) habe ich auch schon festgestellt.
    Bei deiner Alternative (Fichte) stellen sich mir die folgenden Fragen:
    Welche „Mehrforderungen“ stellen sich an den Maschinenpark? Ist der Dickenhobel unabdingbar für ein sauberes Arbeiten und dein Beitrag bei Holzwerken eine Vorbereitung für das Thema;-)?

    Bei meinen bisherigen Fichtewerkstücken habe ich bei der Nutzung doch den Härteunterschied festgestellt (Macken). Wie ist hier deine Erfahrung? Oder wie bewertest Du das vor allem für stark beanspruchte Möbel (z.B. Werkstatt).

    Mit dem Thema Massivholz habe ich mich bisher nicht groß auseinander gesetzt, aber irgendwann muss man halt mal anfange, wenn man nicht bei MPX bleiben will.

    Danke für deine Einsichten und Gruß

    1. Hallo Johannes,

      Man kann dieses Schränkchen auch ohne Dickenhobel bauen. Ich werde in Kürze neue Zeichnungen bei den Kursunterlagen einstellen, die dann auch alternative Konstruktionen für die Tür und die Rückwand zeigen. Fichte ist natürlich weicher, als Buche, das stimmt schon. Aber gerade bei Werkstattmöbeln halte ich das für keinen zu großen Nachteil. Wenn die mit der Zeit ein paar Dellen bekommen ist das ja nicht so schlimm. Gerade Fiche Leimholz ist in guter Qualität recht problemlos zu bekommen und mit ein paar Tricks und Kniffen kann man es auch ausrissfrei bearbeiten. Genau das kann ich ja nun auch im Kurs vermitteln.

      Gruß

      Heiko

Kommentare sind geschlossen.